Geschichte


© Neeraj Rao, www.flickr.com
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Bauwerke aus lebenden Pflanzen haben in der Geschichte der europäischen Gartenkultur einen festen Platz und lassen sich in unterschiedlichen kulturellen und historischen Zusammenhängen finden. Die direkten Wurzeln der Baubotanik gehen zurück auf eine Art prähistorische Biotechnik, die von einem Volksstamm im indischen Regenwald, den Khasi, noch heute praktiziert wird: Mit Hilfe einer ausgeklügelten Methode leiten sie Luftwurzeln von Gummibäumen über einen Fluss und verflechten sie zu einer netzartigen Struktur. Im Laufe der Zeit verwächst dieses Gebilde zu einer stabilen und begehbaren Konstruktion – einer lebenden Brücke.


Die Baubotanik kann als ein Versuch verstanden werden, diesen Ansatz in eine moderne Bauweise zu transformieren. Erkenntnisse botanischer Forschung bilden die Grundlage, um systematisch die Möglichkeiten des Bauens und Entwerfens mit lebenden Pflanzen zu untersuchen und Konstruktionsverfahren zu entwickeln, die sich moderne gartenbauliche Technologien zu Nutze machen.


Dennoch ist die Baubotanik auch eine gärtnerische Bauweise: Die pflanzlichen Baumaterialien wachsen in Gärtnereien heran und die Bauten bedürfen zeitlebens der gärtnerischen Pflege. Sie fordern ständig ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, denn wenn sie verwildern, büßen sie ihren Bauwerkscharakter ein und verlieren rasch ihre Nutzbarkeit.


Schon bei der Planung ist eine gärtnerische Denk- und Handlungsweise gefragt, weil konstruktive und architektonische Zielvorstellungen mit den Anforderungen und Gesetzmäßigkeiten pflanzlichen Wachstums in Einklang gebracht werden müssen. Entscheidend ist, dass kein fertiges Gebäude geplant, sondern eine Ausgangskonfiguration und ein Entwicklungsprozess entworfen werden. Und weil unterschiedliche Wachstumsstadien unterschiedliche Formen der Nutzung erlauben, ist auch die Nutzung als ein Prozess zu entwerfen, der unmittelbar vom Wachstum abhängig ist.