Vision


Baubotanische Bauwerke entfalten bereits unmittelbar nach ihrer baulichen Fertigstellung räumliche und sinnliche Qualitäten, die sonst nur in ausgewachsenen Bäumen zu erleben sind – auch wenn sie zu Anfang gegebenenfalls von technischen Einrichtungen abhängig sind, die das Wachstum ermöglichen und die Standfestigkeit sicherstellen.

Durch den konstruktiven Umgang mit der lebenden Pflanze kann die "Baumkrone" als ein Raum entworfen werden, der vielfältige Nutzungen ermöglicht – beispielsweise in der Form eines dreidimensionalen "Pocket-Parks". Daher ist die Baubotanik nicht nur eine Pflanzentechnologie, sondern auch eine moderne Vision des Urbanen: Sie stellt sich der Frage, wie in dicht bebauten Innenstädten oder sich rasant entwickelnden Metropolen großvolumige Grünräume auf kleinstem Platz geschaffen werden könnten. Sie bietet die Möglichkeit, auf minimalen Grundflächen gärtnerische Situationen  zu schaffen, die binnen kürzester Zeit benutzbar sind und so die ökologische Qualität Jahrzehnte alter Bäume vorwegnehmen

 

Gleichzeitig passt ein baubotanisches Bauwerk sein Wachstum ständig an die Umweltfaktoren des Standorts an und ist in der Lage, kleinere Schadstellen selbstständig zu reparieren. Ergebnis dieser adaptiven Prozesse ist eine Gestalt, die aus den Bedingungen und Ereignissen resultiert, denen es im Laufe der Zeit ausgesetzt ist. Aufgrund dieser "autobiographischen Formfindung" entwickelt jedes Bauwerk, ja selbst jedes baubotanische Detail, individuelle Charakterzüge und wird - genauso wie ein alter Baum - zu einer Persönlichkeit.